Almabtrieb in Tirol: Was der Almboschen wirklich bedeutet

Almabtrieb in Tirol: Was der Almboschen wirklich bedeutet

Ende September wird es still auf den Almen. Die Kuhglocken klingen noch einmal über die Hänge, dann folgt der Weg ins Tal — und ob die Kühe dabei einen Kopfschmuck tragen, sagt mehr als tausend Worte.

Der Almboschen: kein Schmuck, sondern ein Zeichen

Der Almboschen ist der Kopfschmuck, den die Kühe beim Almabtrieb tragen. Gebunden wird er aus Latschenzweigen, Alpenrosen, bunten Bändern und Blumen — jede Alm hat ihre eigene Tradition, wie er aussieht. Aber ob er überhaupt gebunden wird, das entscheidet der Sommer.

Die Regel ist einfach und alt: Hat die Herde den Almsommer ohne schweren Unfall überstanden — kein verunglücktes Tier, kein Stallbrand, keine ernste Not — dann trägt jede Kuh beim Abstieg ihren Boschen. Hat es einen gegeben, bleibt der Schmuck weg. Der Abtrieb verläuft still, ohne Fest, ohne Aufmerksamkeit. Das ist kein Mitleid von außen, das ist Respekt nach innen.

Wie der Boschen gebunden wird

In den Tagen vor dem Abtrieb beginnt die Arbeit auf der Alm. Die Sennerin oder der Senner — oft gemeinsam mit den Bauernkindern — sammelt das Material: frische Latschenzweige, Alpenrosen (soweit noch blühend), Feldblumen, Bänder. Der Boschen wird direkt am Kopfgurt der Kuh befestigt, hoch genug, damit er beim Abstieg sichtbar bleibt und nicht verloren geht.

Jede Alm hat dabei ihren eigenen Stil. Im Zillertal sind kräftige Latschenzweige mit roten Bändern weit verbreitet. Auf manchen Almen werden zusätzlich kleine Glocken oder Tannenzapfen eingeflochten. Was zählt: Der Boschen ist handgebunden, nicht gekauft.

Termine im September — und warum sie variieren

"Den" Almabtrieb gibt es nicht. Im Zillertal und im übrigen Tirol entscheiden Seehöhe, Wetterlage und Weidevertrag, wann die Herde kommt. Hochalmen, die über 1.800 Meter liegen, treiben oft schon Mitte September ab — das erste Frost-Risiko sitzt dort früh. Tiefer gelegene Almen halten manchmal bis Ende September durch, wenn das Wetter mitspielt.

Die Gemeinden stimmen die Termine teilweise ab, damit die Täler nicht von mehreren Herden gleichzeitig überschwemmt werden — und damit die Bauern auf den Nachbarherden mithelfen können.

Was danach bleibt

Mit dem Abtrieb endet der Sommer auch im Käse. Die Milch, die durch den ganzen Sommer auf der Alm entstanden ist — aus Bergkräutern, Latsche, Alpenblumen — hat dem Käse seinen Charakter gegeben. Im Zillertaler Bergsenn Almlust schmeckt man genau das: Sommermilch, die auf über 1.000 Meter Höhe entstanden ist. Wer verstehen will, was diese Milch ausmacht, findet mehr im Porträt des Almlust-Käses und im Überblick über den Almsommer im Zillertal.

Den ganzen Bogen — vom Almauftrieb im Juni bis zu diesem Moment im September — erzählt der Hub-Artikel zum Almauftrieb und Almsommer.

Der Zillertaler Bergsenn Bergkäse Premium ist eine weitere Möglichkeit, diesen Sommer im Käse zu finden — gereift, kräftiger, für alle, die es etwas standfester mögen.


Griaß di aus dem Zillertal — und auf einen guten Almsommer, der seinen Boschen verdient hat.