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Wie wird Käse hergestellt? Die sechs Schritte

5. Mai 2026 4 Min. LesezeitAktualisiert 04.08.2026

Wie wird Käse hergestellt? Die sechs Schritte - TIROLISH

Käse entsteht in sechs Schritten — und einer davon entscheidet fast alles: wie klein der Bruch geschnitten wird. Walnussgroß ergibt Weichkäse, haselnussgroß Schnittkäse, weizenkorngroß Hartkäse. Alles Weitere baut darauf auf.

+++ Der Ablauf

Von der Milch zum Laib

1

Milch vorbereiten

Die Milch wird geprüft und je nach Sorte roh belassen, thermisiert oder pasteurisiert. Für lang gereiften Hartkäse ist silofreie Fütterung entscheidend — dazu unten mehr.

2

Säuern

Milchsäurebakterien werden zugesetzt. Sie senken den pH-Wert, bereiten das Dicklegen vor und prägen später einen Teil des Aromas. Welche Kulturen zum Einsatz kommen, ist eine Sortenentscheidung.

3

Dicklegen

Lab bringt das Milcheiweiß zum Gerinnen. Je nach Käseart dauert das von einer halben Stunde bis zu mehreren Stunden. Am Ende steht eine geschlossene Gallerte.

4

Bruch schneiden

Die Gallerte wird mit der Käseharfe zerteilt. Hier fällt die Entscheidung über die spätere Festigkeit — je kleiner das Korn, desto mehr Molke tritt aus, desto fester der Käse.

5

Brennen, Formen, Pressen

Bei festeren Sorten wird der Bruch nacherwärmt, je nach Käse bis etwa 55 Grad. Das entzieht weiteres Wasser. Danach kommt der Bruch in Formen und wird gepresst.

6

Salzen und reifen

Im Salzbad entzieht Salz dem Rand Wasser und bildet die erste Rinde. Anschließend geht der Laib in den Keller — für Wochen bei Weichkäse, für Jahre bei lang gereiftem Hartkäse.

+++ Der entscheidende Schritt

Die Korngröße macht den Käsetyp

Alle Käse durchlaufen dieselben sechs Schritte. Was sie unterscheidet, wird zu einem großen Teil in Schritt vier festgelegt: Molke sitzt zwischen den Bruchkörnern. Kleine Körner haben mehr Oberfläche, geben mehr Molke ab — und ergeben einen trockeneren, festeren, länger haltbaren Käse.

+++ Vergleich

Drei Korngrößen, drei Käsewelten

Bruchkorn Ergibt Warum
etwa walnussgroß Weichkäse wenig Molke tritt aus, viel Wasser bleibt im Teig — weich, cremig, kurz haltbar
etwa haselnussgroß Schnittkäse mittlerer Wasseranteil — schnittfest und schmelzfähig zugleich
etwa weizenkorngroß Hartkäse viel Molke tritt aus, wenig Wasser bleibt — fest, lange reifbar, kräftig
WeichkäseWalnuss

Wenig Molke tritt aus, viel Wasser bleibt im Teig: weich, cremig, kurz haltbar.

SchnittkäseHaselnuss

Mittlerer Wasseranteil: schnittfest und schmelzfähig zugleich.

HartkäseWeizenkorn

Viel Molke tritt aus: fest, lange reifbar, kräftig im Geschmack.

Das erklärt auch, warum ein Bergkäse Jahre reifen kann und ein Weichkäse Wochen. Nicht der Wille des Senners entscheidet das, sondern der Wassergehalt, der in Schritt vier festgelegt wurde.

+++ Rohstoff

Warum Silage bei Hartkäse ein Problem ist

Silofreie Fütterung ist bei lang gereiftem Hartkäse kein Marketingargument, sondern eine handwerkliche Notwendigkeit. Vergorene Silage bringt Gärkeime in die Milch. Bei kurz gereiften Sorten fällt das kaum auf — bei einem Laib, der zwölf Monate im Keller liegt, führen sie zu Fehlgärungen, die den Käse aufblähen und verderben.

Deshalb bekommen die Tiere im Sommer Gras und im Winter sonnengetrocknetes Heu. Dass Heumilchkäse aromatischer schmeckt, ist der angenehme Nebeneffekt — der eigentliche Grund liegt in der Haltbarkeit.

+++ Im Keller

Was während der Reifung passiert

Im Keller arbeiten Enzyme weiter: Sie bauen Eiweiß und Fett ab, wodurch das Aroma entsteht. Gleichzeitig verliert der Laib Wasser und konzentriert sich. Bei sehr langer Reifung lagern sich Aminosäuren ab und bilden die kleinen weißen Kristalle, die im Biss knirschen.

Die Rinde wird dabei gepflegt: gebürstet, gewendet, mit Salzwasser abgerieben. Bei Rotschmierekäse arbeiten zusätzlich Kulturen von außen nach innen und geben dem Käse eine pikante Note, die nicht aus dem Teig stammt.

Der Preis der langen Reifung: Genau das Eiweißnetz, das den geschmolzenen Käse zusammenhält, wird dabei abgebaut. Deshalb schmilzt sehr alter Käse schlechter als mittelreifer — mehr dazu in Würziger Käse: die vier Arten von Würze.

+++ Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Wie wird Käse hergestellt — in einem Satz?

Milch wird gesäuert, mit Lab dickgelegt, der entstandene Bruch wird geschnitten und je nach Sorte nacherwärmt, in Formen gepresst, gesalzen und anschließend im Keller gereift. Die Größe des Bruchkorns bestimmt dabei, ob Weich-, Schnitt- oder Hartkäse entsteht.

Wozu dient das Lab?

Lab ist ein Enzym, das das Milcheiweiß zum Gerinnen bringt. Ohne es bliebe die Milch flüssig. Es gibt tierisches Lab aus dem Kälbermagen sowie mikrobielle und pflanzliche Alternativen — welches verwendet wird, steht in der Zutatenliste.

Was passiert mit der Molke?

Sie wird abgetrennt und weiterverwendet, etwa für Molkegetränke, Ricotta oder als Futtermittel. Aus etwa zehn Litern Milch entsteht ungefähr ein Kilogramm Hartkäse — der weitaus größte Teil geht als Molke ab.

Warum ist Rohmilchkäse aromatischer?

Weil die natürliche Mikroflora der Milch erhalten bleibt und an der Reifung mitarbeitet. Erhitzen macht den Käse gleichmäßiger und sicherer, nimmt ihm aber einen Teil dieser Vielfalt. Beide Wege sind legitim, sie führen zu verschiedenen Ergebnissen.

Kann man Käse zu Hause machen?

Frischkäse und Topfen ja, mit wenig Ausrüstung. Lang gereifter Hartkäse braucht dagegen ein konstantes Kellerklima über Monate, Presswerkzeug und regelmäßige Rindenpflege — das ist der Punkt, an dem Küche und Sennerei sich trennen.

+++ Passend dazu

Vom Kessel ins Regal

Unsere Käse kommen aus Sennereien im Zillertal, hergestellt aus silofreier Heumilch und mit angegebener Reifezeit — vom vier Monate gereiften Schnittkäse bis zum Laib mit zweieinhalb Jahren im Keller.

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