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Zillertaler Groiggn: das Rezept mit Milch zum Schluss

12. Juni 2026 5 Min. LesezeitAktualisiert 06.08.2026

Gusseiserne Pfanne mit goldbraun ausgelassenen Groiggn, Zwiebelstücken und Majoran, daneben ein Glas weißes Schmalz, eine Schale Sauerkraut und eine Scheibe Schwarzbrot

„Groigg'n“ ist Zillertaler Dialekt für ausgelassene Schweinefleischwürfel — anderswo heißen sie Grammeln oder Grieben. Über das Ergebnis entscheiden zwei Dinge, die in den meisten Rezepten fehlen: eine Pfannentemperatur von 150 bis 170 Grad und ein Schuss Milch am Schluss.

Worauf es ankommt

Drei Stellgrößen

Temperatur

150 bis 170 Grad, nicht heißer. Das Fett soll aus den Würfeln austreten, nicht das Fleisch schockartig anbraten. Bei zu großer Hitze bräunt die Außenseite, bevor das Innere sein Fett abgegeben hat — die Würfel bleiben dann zäh statt knusprig.

Geduld

Rühren, warten, wieder rühren. Das Auslassen dauert deutlich länger, als man erwartet. Wer die Hitze aufdreht, um es abzukürzen, bekommt außen dunkle und innen weiche Groiggn — der häufigste Fehler überhaupt.

Milch

Der Schritt, den kaum jemand kennt. Ganz am Ende kommt ein kleiner Schuss Milch in die Pfanne und wird verdampfen gelassen. Das ist im Zillertal Teil des Originals — es rundet die Farbe ab und nimmt der Sache die reine Fettigkeit.

Für 4 Personen

Zutaten

  • 800 gdurchwachsener Schweinebauch ohne Schwarte
  • 1 StückZwiebel
  • 2 ZehenKnoblauch
  • 25 mlMilch, für den Schluss
  • 1 TLgetrockneter Majoran
  • nach BedarfSalz und frisch gemahlener Pfeffer

Der Bauch schrumpft beim Auslassen erheblich — aus 800 Gramm rohem Fleisch werden je nach Fettanteil deutlich weniger fertige Groiggn, dazu ein gutes Glas Schmalz. Wer sie als Hauptsache serviert, rechnet großzügiger.

Schritt für Schritt

Zubereitung

  1. 1
    In gleichmäßige Würfel schneidenDen Schweinebauch in Würfel von etwa anderthalb Zentimetern schneiden. Gleichmäßig ist wichtiger als klein: Ungleiche Stücke werden nie gleichzeitig fertig, und die kleinen verbrennen, während die großen noch weich sind.
  2. 2
    Pfanne auf 150 bis 170 Grad bringenEine schwere Pfanne oder ein Topf mit dickem Boden hält die Temperatur besser. Die Würfel ohne zusätzliches Fett hineingeben — sie bringen ihr eigenes mit.
  3. 3
    Auslassen und immer wieder rührenJetzt beginnt der lange Teil. Regelmäßig umrühren, damit nichts am Boden ansetzt, und die Temperatur halten. Die Würfel geben nach und nach ihr Fett ab und werden dabei kleiner und fester.
  4. 4
    Zwiebel und Knoblauch erst spät dazuWenn das Fleisch leicht gebräunt ist, kommen fein geschnittene Zwiebel und Knoblauch dazu. Früher zugegeben verbrennen sie über die lange Auslasszeit und machen alles bitter.
  5. 5
    Fett abgießenDas flüssige Schmalz durch ein Sieb in einen Topf abgießen und die Groiggn im Sieb gut ausdrücken — erst dadurch werden sie richtig knusprig. Das Schmalz nicht wegschütten, es ist das halbe Ergebnis.
  6. 6
    Milch dazu und verdampfen lassenDie Groiggn zurück in die Pfanne, den Schuss Milch angießen und warten, bis er vollständig verdampft ist. Danach mit Salz, Pfeffer und Majoran abschmecken.
  7. 7
    Warm servierenKlassisch mit hausgemachtem Bauernbrot und Sauerkraut. Groiggn werden warm gegessen — kalt verlieren sie genau die Knusprigkeit, für die man den Aufwand betrieben hat.

Das zweite Ergebnis

Aus dem abgegossenen Fett wird Schmalz

Beim Auslassen entstehen immer zwei Dinge: die Groiggn und das flüssige Fett. Wer nur an die Würfel denkt, wirft die Hälfte weg. Abgeseiht und erkaltet ist das Fett fertiges Schweineschmalz — und mit einem Teil der Groiggn wieder untergehoben wird daraus Grammelschmalz, der klassische Brotaufstrich.

Ein Sicherheitshinweis, der ernst gemeint ist: Heißes Fett darf niemals mit Wasser in Kontakt kommen — das Wasser verdampft schlagartig und schleudert brennendes Fett aus der Pfanne. Auch nicht am Ende beim Reinigen: erst abkühlen lassen, dann abwischen.

Fehlerdiagnose

Wenn sie nicht knusprig werden

Problem Ursache Lösung
Außen dunkel, innen weich zu heiß Über 170 Grad bräunt die Oberfläche, bevor das Fett austreten kann. Hitze zurücknehmen und Zeit geben
Bleiben insgesamt zäh zu früh
beendet
Es ist noch Fett im Fleisch. Weiter auslassen, bis die Würfel deutlich kleiner und fester sind
Ungleichmäßig fertig ungleiche
Würfel
Auf gleichmäßige anderthalb Zentimeter achten — das ist wichtiger als die genaue Größe
Bitterer Beigeschmack Zwiebel
zu früh
Zwiebel und Knoblauch erst zugeben, wenn das Fleisch bereits leicht gebräunt ist
Weich statt knusprig nicht
ausgedrückt
Im Sieb kräftig ausdrücken. Das restliche Fett in den Würfeln verhindert sonst die Knusprigkeit
Außen dunkel, innen weichzu heiß

Über 170 Grad bräunt die Oberfläche, bevor das Fett austreten kann

Bleiben zähzu früh beendet

Es ist noch Fett im Fleisch — weiter auslassen, bis die Würfel fest sind

Ungleichmäßig fertigungleiche Würfel

Gleichmäßige anderthalb Zentimeter sind wichtiger als die genaue Größe

Bitterer BeigeschmackZwiebel zu früh

Erst zugeben, wenn das Fleisch schon leicht gebräunt ist

Weich statt knusprignicht ausgedrückt

Im Sieb kräftig ausdrücken, sonst bleibt Fett in den Würfeln

+++ Passend dazu

Wenn es schneller gehen soll

Groiggn selbst auszulassen dauert seinen Nachmittag. Wer das Ergebnis ohne den Aufwand will, greift zum fertigen Grammelschmalz — dasselbe Prinzip, nur schon aufgestrichen. Dazu kräftiges Schwarzbrot, etwas Salz und eine rohe Zwiebel, mehr braucht es nicht.

Grammelschmalz ansehen

Häufige Fragen

Groiggn: Fragen und Antworten

Was sind Groiggn?

Zillertaler Dialekt für ausgelassene Schweinefleischwürfel. Anderswo heißen sie Grammeln, in Deutschland meist Grieben. Gemacht werden sie aus durchwachsenem Schweinebauch, der langsam ausgelassen wird, bis feste, knusprige Stücke übrig bleiben — und dazu flüssiges Schmalz.

Bei welcher Temperatur lässt man Groiggn aus?

Bei 150 bis 170 Grad. Höher sollte es nicht werden: Das Fett soll aus den Würfeln austreten, nicht das Fleisch schockartig anbraten. Bei zu großer Hitze bräunt die Außenseite, bevor das Innere sein Fett abgegeben hat — die Würfel bleiben dann zäh.

Warum kommt am Schluss Milch dazu?

Weil es im Zillertal zum Original gehört. Ein kleiner Schuss Milch wird ganz am Ende angegossen und vollständig verdampfen gelassen. Er rundet die Farbe ab und nimmt der Sache die reine Fettigkeit. Erst danach wird mit Salz, Pfeffer und Majoran abgeschmeckt.

Was passiert mit dem abgegossenen Fett?

Das ist fertiges Schweineschmalz und die zweite Hälfte des Ergebnisses. Abgeseiht und erkaltet lässt es sich gekühlt aufbewahren; mit einem Teil der Groiggn wieder untergehoben wird daraus Grammelschmalz. Wichtig: Heißes Fett niemals mit Wasser in Kontakt bringen.

Wozu isst man Groiggn?

Warm zu hausgemachtem Bauernbrot und Sauerkraut — so werden sie im Zillertal klassisch serviert. Kalt verlieren sie die Knusprigkeit, für die man den Aufwand betrieben hat, deshalb kommen sie direkt aus der Pfanne auf den Tisch.

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